Dienstag, 6. September 2011

Schöne, tolerante Schweiz

Die tägliche Zugfahrt geht mir in der Schweiz noch mehr an die Nerven als noch vor Jahren im als geschwätzig bekannten Deutschland. Keifende Mädchen erörtern Belanglosigkeiten, Geschäftsleute blöken in Mobiltelefone, Wandersleute schlagen sich grölend auf die Schenkel. Ein einziges Mal bat ich um Ruhe und erhielt den Rat, das Land zu verlassen. Bleibt mir nur der Wechsel in die Ruhezone? Achim S., Zürich

Die Schweizer haben es gut: Sie haben das schönste Land Europas, nahezu Vollbeschäftigung, die Taschen voller Geld. Es gäbe also guten Grund, voller Selbstbewusstsein durchs Leben zu gehen. Viele Schweizer sind aber von einem leichten Griesgram befallen, der beson­ ders heftig hervortritt, wenn ihnen einer «aus dem grossen Kanton» (also von nördlich des Rheins) «frech kommt». Dann wird aus dem latenten Mangel an Selbstbewusstsein feuri­ger Hass. Das hat oft mit der Sprache zu tun: Die Schweizer fühlen sich mit dem etwas rus­tikalen Dialekt der Hochsprache unterlegen – und schlagen manchmal allzu heftig zurück.

Allerdings muss ich auch Sie tadeln: Ein Zug ist kein Sanatorium, sondern ein öffentliches Transportmittel, worin sich die unter­ schiedlichsten Menschen bewegen. Das geht nicht, ohne dass alle ein Höchstmass an Tole­ranz füreinander aufbringen. Kaufen Sie sich einen Walkman und einen Kopfhörer, der Aus­sengeräusche ausfiltert. Sie werden sich in der schönen Schweiz noch wohler fühlen.

Le Gourmand français

Im Zug von Z¨ürich nach Basel packte mein Vis-à-vis schon kurz nach der Abfahrt eine Baguette, einen Weichkäse und eine Flasche Wein aus und breitete sein Mahl auf einer weissen Stoffserviette aus. Mangels eines Kelchs genehmigte sich der Gourmand dazwischen einen Schluck Wein, direkt aus der Flasche. Muss ich mir so etwas gefallen lassen? Lukas B., Niederscherli

Ihre Beobachtung klingt doch recht spektakulär – zumindest, was das Mahl betrifft! Üblicherweise beobachtet man in solchen Situationen ja nur Menschen, die einen lauwarmen Hamburger aus einer lappigen Kartonschachtel in sich reindrücken und dabei versuchen, zu vermeiden, dass der Inhalt ihres mediokren Fleischbrötchens auf die Sitzbank tropft. Da muss man den frankophilen Geniesser ja fast loben, auch des kleinen Tischdeckchens wegen. Punktabzug gibt es aber fürs Trinken von Wein direkt aus der Flasche: Das sollte man auch in sehr verzweifelten Lebenslagen nicht tun.

Grundätzlich meine ich: Im Zug kann man schon speisen, aber nur wenn es a) nicht stinkt, b) nicht tropft und c) nicht viel Geräusche produziert. Wenn es ein bewusstes «Ereignis» ist, finde ich so ein Picknick eine wohltuende Abwechslung. Wenn Sie das anders sehen, habe ich dafür aber auch Verständnis. Glücklicherweise gibt es in der ersten Klasse oft noch einen anderen freien Sitzplatz, wo Sie ungestört sind.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Krümelmonster

Ich fahre oft internationale Strecken mit dem Zug und wundere mich bei Ankunft im Zielbahnhof immer, wenn Reisegruppen ihre leeren Sandwichpapiere, Chips-tüten, zerknüllten Servietten und zerquetschten Getränkeflaschen einfach so liegen lassen, bevor sie aussteigen. Sollte man sie darauf hinweisen? Simone K., Interlaken

Im Prinzip sollte man ja reagieren, doch ich bin mir nicht sicher, ob sie sich auf Dauer viele neue Freunde machen, wenn sie von der langen Reise ermattete Mitreisende oberlehrerhaft auf ihre Versäumnisse hinweisen. Man wird ihnen wohl an den Kopf schleudern, dass Fernzüge am Zielbahnhof sowieso professionell gereinigt würden, was ja meistens auch stimmt. Man beobachtet ähnliche Zustände übrigens auch im Flugverkehr: Manche Sitze sehen nach der Landung aus, als hätte ein Krümelmonster sich mit einer Zeitung gefetzt.

Aber vielleicht mag es dem einen oder anderen ein Ansporn sein, Ihnen zuzusehen, wie Sie Ihren selbst produzierten Unrat zusammenräumen, komprimieren und mitnehmen, bevor Sie den Bahnwaggon verlassen. So sollte es nämlich jeder vernünftige Mensch tun, auf Fernreisen wie beim täglichen Pendeln. Es ist unanständig, roh, stillos und dumm, seinen Müll einfach liegen zu lassen. Es kostet nicht mehr als zehn Sekunden Aufmerksamkeit, doch es macht das eigene Leben und das seiner Mitmenschen angenehmer, wenn man ein bisschen Ordnung schafft.

Jeroen van Rooijen ( 41) ist Stil- Sachverständiger bei «via», der «NZZ» und «DRS 3».

Montag, 11. April 2011

Unter Hundefreunden

Mein Parson-Russell-Terrier «Sputnik» kann nicht verstehen, dass er seinen mit einem Tüchlein abgedeckten Sitzplatz des öfteren verlassen und sich auf den kalten Fussboden legen muss, weil ein anderer Fahrgast den Sitzplatz einfordert. Dabei muss «Sputnik» für sein Billett gleich viel bezahlen wie sein Halbtax-Abo-Herrchen. Ganz im Gegensatz zum zappelnden Kind nebenan. Urs G. (40), Maur/ZH

Lieber Hundefreund, ich kann die Ungleichbehandlung – um nicht zu sagen: Ungerechtigkeit! – auch nicht abschliessend erklären, denke aber, dass sie tief reichende kulturelle Hintergründe hat. Die Menschen neigen auch im 21. Jahrhundert leider immer noch dazu, Tiere als unserer Spezies untergeordnete Kreaturen zu verstehen und entsprechend zu behandeln. Das trifft nun leider auch Sputnik, obwohl Sie Ihren Hund – und wahrscheinlich etliche Mitreisende im Stillen auch – selbstredend höher schätzen als quengelnde Kinder.

Ein Trostpflaster gibt es allerdings: Ihr Hundeli zahlt nämlich immer nur den halben Preis 2. Klasse – auch wenn sein Herrchen in der 1. Klasse fährt. Das ist eine kleine, aber gleichwohl feine Geste der SBB, finde ich. Kommt hinzu, dass der Fussboden der 1. Klasse mit einem Teppich ausgelegt ist und zappelnde Kinder dort seltener anzutreffen sind. Gönnen Sie sich und Sputnik den Luxus. Und seien Sie froh, dass Sie in der Schweiz leben, denn in Deutschland müsste Sputnik einen Maulkorb tragen.

Dienstag, 23. November 2010

Plaudertaschen

Ich pendle täglich 45 Minuten zwischen meinem Wohn- und Arbeitsort und brauche diese Zeit, um morgens wach zu werden bzw. abends «runterzukommen». Neuerdings fährt mein Nachbar die gleiche Strecke, und er plaudert unheimlich viel. Ich überlege mir schon, meine Stelle zu wechseln oder Nachtschicht zu arbeiten. Reto B., Elgg

Das kommt mir irgendwie bekannt vor! Auch ich habe eine Weile meine Schiebermütze ganz tief ins Gesicht gezogen und den Mantelkragen hochgeklappt, um geschwätzigen Mitpendlern zu entkommen. Sie entdecken einen dann meistens doch und quasseln einen halbtot. Eine Zeit lang versucht man sich mit Laptop und Musikplayer abzukapseln, aber irgendwann kommt der Moment, wo die Wahrheit ausgesprochen werden muss: Ruhe!

Man kann es auch netter sagen. Vielleicht ergreifen Sie einfach mal ganz ruhig das Wort und schildern der Nervensäge, wie unheimlich wichtig für Sie diese Zeit der Kontemplation und Einkehr ist. Und dass Ihnen das noch viel bewusster geworden ist, seit Sie vor zwei Jahren aus der zwölfjährigen Haft entlassen wurden, die Sie verbüssten, weil Sie einen anderen Bahnreisenden erwürgt hatten. Dazu fletschen Sie zweimal seltsam mit den Zähnen und grinsen ein bisschen irr.

Ist Ihnen das zu krass? Dann eben Plan B: Halten Sie dem Nachbarn diese Zeilen wortlos hin: «Da, lies mal!» Wenn auch das nicht fruchtet, wechseln Sie wieder zu Plan A. Manchmal muss man sich einfach ein bisschen ins Abseits manövrieren, um Ruhe zu haben...

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Im Fegefeuer

Ich habe unlängst im Zug ein herrenloses Mobiltelefon gefunden und konnte es nicht lassen, alle darauf gespeicherten Nachrichten zu lesen, bevor ich das Gerät dem Zugbegleiter zur Weiterleitung an den rechtmässigen Besitzer übergab. Es war höchst pikant; doch nun frage ich mich, ob ich mich schwer am guten Stil versündigt habe? Therese R., per E-Mail

Sie unverfrorene Ketzerin, wie konnten Sie nur! Dafür werden Sie im Winter drei Tage lang in der Zürcher Bahnhofshalle angekettet, wo Sie jeder sehen und beschimpfen kann. Wollten Sie so etwas hören, richtig? Nun gut, stellen Sie sich Ihre gerechte Strafe für ihre Neugier einfach plastisch vor, dann ist es ja vielleicht auch schon gut.

Denn fein war das natürlich nicht, was Sie da getan haben. Es war ziemlich ungehörig – andererseits sicher auch lustig, nicht? Denn mit Ihrem Fund haben Sie völlig unverhofft intimen Einblick in das Leben eines Wildfremden bekommen, und das ist ja im Zeitalter von Celebrity-Magazinen, Casting-Shows und Big-Brother-TV ein hohes Gut. Für diesen Kick schalten andere Menschen jeden Abend die Glotze ein.

Mein Rat: Geniessen Sie, aber schweigen Sie einfach über all das, was Sie wissen – ganz ungeachtet der Tatsache, dass Sie die Person, der das Telefon gehört, nicht kannten. Denn sonst passiert Ihnen genau dasselbe bei Ihrer nächsten Zugfahrt und dieser böse Geist verfolgt Sie für den Rest Ihres Lebens. Schweigen Sie, um Ihre verdorbene Seele zu retten. Immerhin haben Sie das Gerät ja zurückgegeben, das dürfte man Ihnen beim jüngsten Gericht noch strafmildernd anrechnen.

Freitag, 3. September 2010

Lauschangriff

Ich kann nicht anders, als im Zug meine Mitpendler zu belauschen. Darf man das? Und: Wie macht man es mit Stil? Katja W., per E-Mail

Katja W. – die Zug fahrende Legende! Ich bewundere, mit welcher unglaublichen Robustheit Sie in Ihrer Kolumne über das Leben als Pendlerin das Erlebte verdauen. Ich «darf» ja nur alle paar Wochen ran, aber Sie – jede Woche zweimal, dazu unter den unbarmherzigen Augen der Leser des grössten Schweizer Revolverblattes («Blick am Abend», Anm. d. Red.)! Doch genug geschleimt und geflirtet.
Sie fragen zwei Dinge. Erstes muss ich folgendermassen beantworten: Man darf andere Menschen im Zug natürlich nicht belauschen – aber man tut es trotzdem, und erst noch mit Lust! Wenn man es tut, um daraus Erkenntnisse (über die Welt und ihre Bewohner) zu gewinnen und diese mit anderen Menschen zu teilen, so wie Sie es tun, dann hat ihr heimliches Zuhören etwas Heroisches. Ihre Beobachtungen werden späteren Generationen unschätzbare Hinweise auf die Gemütslage einer Nation zu Beginn des dritten Jahrtausends liefern.
Ob es nun wichtig ist, andere «stilvoll» zu belauschen, möchte ich jedoch in Frage stellen. Sie können natürlich ganz chic und damenhaft die Beine übereinander schlagen, aber viel wichtiger ist doch, dass Sie Ihre Lauschangriffe möglichst diskret führen. Nur so können Sie wirklich authentische Geschichten aufschnappen. Tun Sie so, als ob Sie ein Buch lesen – vergessen Sie aber nicht, hin und wieder eine Seite umzublättern, um nicht aufzufliegen! Oder kaufen Sie sich einen grossen Kopfhörer, die gerade sehr trendy sind, und tun so als ob Sie Musik hören. Ich freue mich jedenfalls auf Ihre neuen Geschichten!

Montag, 16. August 2010

Im Familienwagen

Wenn ich mit meiner Enkelin reise, fahren wir im Familienwagen der SBB. Das Klettergestell, die Rutschbahn und die Möbel werden mit grosser Begeisterung in Beschlag genommen. Noch toller wäre es, wenn die Eltern (_oder Grosseltern) auch Gelegenheit hätten, sich hinzusetzen. Leider sind die Plätze allzu oft von «kinderlosen» Reisenden besetzt. Alice H., Thun

Eine Aufforderung, die Sitzplätze für Familien freizugeben, drängt sich ja geradezu auf! Denn es gibt nun wirklich keinen vernünftigen Grund, sich in den Krabbel- und Schreiwagen zu setzen, wenn man selbst nicht mindestens ein Kind dabei hat. Oder sitzen da vielleicht Menschen, die sich unbändig über kleine Kinder und ihr ungestümes Tun freuen? Die Kinder in grossvolumigen Taschen mittransportieren? Oder die selber unglücklich kinderlos geblieben sind? Dann müsste man eine gewisse Nachsicht an den Tag legen. Aber sonst? Weg mit diesen Irrläufern!

Zeigen die «falsch Sitzenden» nach einmaliger, höflicher Bitte, sich woanders hinzubewegen, keine Reaktion, müssen Sie die ganzen Talente Ihrer kleinen Begleiterin ins Spiel bringen: Lassen Sie die Enkelin Lieder singen und krächzen, herumrennen, klettern, springen und an allem herumzupfen, was sich ihr in den Weg stellt. Wer dann noch immer demonstrativ sitzen bleibt, muss komplett stumpf oder vielleicht schon tot sein. Und ganz wichtig: lächeln Sie immer selig dazu, denn Sie müssen auf jeden Fall souverän bleiben, auch wenn Sie innerlich fast explodieren.

Montag, 3. Mai 2010

Anstandsprotokoll

Tut man es oder tut man es nicht; jemandem die Türe aufhalten, der nach mir kommt; im Zug fragen, ist der Platz noch frei; beim Betreten eines Ladenlokals zu grüssen und sich zu bedanken? Ich (57) komme mir hoffnungslos veraltet vor! Zudem, muss ich mich entschuldigen, wenn ich niesen muss? Verena F., Lachen

Liebe Verena, eine scheue Frage zuerst: sind Sie neu hier? Denn nun verhandeln wir hier seit zweieinhalb Jahren wortreich die wichtigsten Fragen des Stils, des Anstands und des zwischenmenschlichen Augenmasses (im öffentlichen Verkehr), und jetzt kommen Sie, und werfen frech all jene Fragen erneut in die Runde, welche wir hier schon alle durchgekaut haben? Tss. Aber nun gut, ich will ein Nachsehen haben und ganz blitzschnell auf Ihre drängendsten Fragen antworten. Ja, ja, ja, ja – und nein.

Etwas ausführlicher? Bitte sehr. Die Türe dem nachfolgenden Mitmenschen aufhalten? Ganz selbstverständlich und ohne Ausnahme, es muss ganz automatisch geschehen. Nach einem freien Platz zu fragen? Aber sicher, gerne mit einem sympathischen Grusswort und ein bisschen Eloquenz, also nicht einfach schnoddrig „’schnofrei?“. Beim Betreten eines Geschäfts zu grüssen und sich beim Verlassen desselbigen zu bedanken? Aber klar, allen anderen Kunden sollte man nichts weniger als einen Fusstritt hinterher reichen! Und schliesslich: sich entschuldigen, wenn Sie niesen? Aber nein doch! Sie tun dies ja nicht aus böser Absicht, sondern weil Ihr Körper rebelliert. Dafür muss man sich allerdings nur im Fall von gröberem Auswurf entschuldigen. Eine Hand oder besser ein Taschentuch vor den Mund zu halten, das wäre aber schon das Mindeste.

Wir wünschen gute und stilvolle Fahrt in unseren majestätischen Bundesbahnen!

Völkerwanderung

Ich habe ein Generalabonnement 1.Klasse und fahre leidenschaftlich gerne Zug. Mich stört aber gewaltig, wenn vor der Ankunft an einem Kopfbahnhof die Massenwanderungen nach vorne einsetzen, durch die Wagen 1.Klasse hindurch. Die meisten Vorbeiziehenden besitzen wohl kein Billett für die 1.Klasse. Ist das Nach-Vorne-Wandern überhaupt erlaubt? Daniel H., Zürich

Ein heisses Eisen, das Sie da anpacken, lieber Reisender! Als die „Basler Zeitung“ Ende 2009 den Fall eines Passagiers zweiter Klasse schilderte, der für seine Anwesenheit in der 1. Klasse gebüsst wurde, gingen die Emotionen hoch wie ein zerstörerischer Tsunami. In über 200 Reaktionen wurde aller aufgestauter Pendlerfrust abgelassen, kombiniert mit einer giftigen Mischung aus Sozialneid und Beamtenhass. Sie können alles im Online-Datenarchiv nachlesen.

Tatsächlich ist allein schon der Aufenthalt im Bereich 1. Klasse ohne ein entsprechendes Billett regelwidrig – auch im Gang oder dem Türbereich. Und damit ich jetzt nicht gleich der Blitzableiter für neue Hasstiraden bin: Das habe nicht ICH mir ausgedacht, sondern die Bahn – die im geschilderten Fall aber auch meinte, dass ihre Kontrolleure „gesunden Menschenverstand“ walten lassen sollten. Es gibt also Ermessensspielraum.

Aus Sicht des Stils und der verfeinerten Lebensführung würde ich sagen: das rituelle Nach-Vorne-Wandern ist anderen Menschen potenziell lästig, also sollte man es sein lassen. Auf dem Perron geht man doch wesentlich unbeschwerter und rascher durchs Leben? Andererseits: Öffentlicher Verkehr ist immer auch eine Frage der Toleranz. Vielleicht widmen Sie sich also künftig besser dem vor dem Fenster vorbeiziehenden Gratispanorama statt der Völkerwanderung im Waggon?

Freitag, 16. April 2010

Schwarzleser

Mich stört es enorm, wenn andere Leute mir beim Zugfahren in meine Zeitung schielen, um gratis mitzulesen. Wie kann ich meinen Unmut stilvoll artikulieren? Leo P., Horgen

Lieber Leo, Ihre rührende Zuschrift scheint förmlich aus einer anderen, längst vergangenen Zeit zu kommen, denn: Heute liest die ganze Welt doch sowieso umsonst im Zuge – es liegen manchmal mehr Gratiszeitungen herum, als Passagiere in den Wagen sitzen. Sie aber haben vermutlich nicht eine solche Schnelllese-Postille in der Hand, sondern eine richtige, abonnierte Zeitung, welche diesen Namen noch verdient. Dazu erst einmal meine herzliche Gratulation. Sie gehören zu einer zwar schwindenden, aber ruhmvollen Gesellschaftsgruppe. Sie sind vermutlich ein etwas altmodischer, aber gepflegter Typ mit Manieren und ordentlicher Garderobe. Vielleicht tragen Sie sogar einen eleganten Hut. Sie haben Stil – und das merken die anderen Passagiere natürlich. Sie fallen mit Ihrer grossformatigen, «echten» Zeitung auf, und Sie erwecken Neugier oder Neid. Die anderen wollen auch so sein wie sie, und deshalb schielen sie Ihnen ständig in die Zeitung. Sie wollen sehen, ob da drinsteht, wie man im Leben zum Erfolg kommt. Seien Sie also nicht kleinkariert, sondern jener grossmütige Mann von Welt, den man in Ihnen sowieso vermutet, und verleihen Sie Teile Ihrer Zeitung an die anderen Passagiere. Geben Sie ganze Bünde zum Lesen weiter! Die anderen sollen ruhig auch einmal sehen, dass es noch Texte gibt, die länger als acht Zeilen sind.

Duftmarken

Leider kommt es oft vor, dass sich jemand zu mir ins Abteil gesellt, der penetrant riechende Parfums oder Deodorants verwendet. Wie kann ich darauf gewaltfrei reagieren? H.J. Hall, per E-mail

Körper- oder auch Mundgeruch gehören zu den letzten grossen Tabus unserer ach so offenen Gesellschaft. Man kann das Problem kaum ansprechen, ohne jemandem empfindlich zu nahe zu treten. Sie sprechen nun aber nicht so sehr das Stinken, sondern einen extensiv aufgetragenen künstlichen «Wohlgeruch» an, der Ihre Sinne irritiert. Ich kenne das gut, denn es gibt für jeden Menschen gewisse Parfums, die man einfach nicht leiden kann oder gar Kopfschmerzen verursachen. Und genau da liegt das Problem: Was für Sie penetrant duftet, ist für andere ein eleganter Wohlgeruch. Es gibt also, anders als beim durch mangelnde Hygiene verursachten Stinken, kein objektiv einklagbares Versäumnis. Früher hätte man noch das Fenster herunter reissen und sich demonstrativ hechelnd in die frische Luft hängen können, doch das ist bei den modernen Bahnwaggons aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich. Es bleibt ihnen also nur die Flucht. Wenn fliehen, wird der wandelnden Parfumwolke die Lust vergehen, sie zu behelligen. Oder verwickeln Sie die Person in ein Gespräch und entdecken Sie trotz der scheinbar inkompatiblen Duftvorstellungen vielleicht gemeinsame Interessen. Das könnte Linderung verschaffen, denn oft kann man einen Menschen ja genau darum nicht «riechen», weil er einem nicht bekannt oder sonst wie unsympathisch ist.

Kinderschreck

Kleine Kinder sind ja süss, aber machen im Zug oft einen Riesenkrach. Muss man die Rotzbengel auf Gedeih und Verderb rumbrüllen lassen und alles wortlos schlucken – oder darf man Ruhe einfordern? Stefan R., Wetzikon

Sie böser Mann Sie! Vor Ihnen hat man uns einst gewarnt: Der Kinderhasser, der jede nicht ganz ausgewachsene Kreatur zutiefst verachtet und sie am liebsten fesseln würde, um sie als Paket verschnürt an den Nordpol zu verschicken! Kleiner Scherz, ja? Denn tatsächlich können wir uns sehr gut in Ihre Situation versetzen und Ihren Ärger nachvollziehen. Kinder sind manchmal einfach die Pest. Vor allem, wenn sie länger stillsitzen müssen und ihnen langweilig wird – also im Zug. Sie beginnen dann zu turnen, zu krähen und sinnlos im Gang auf und ab zu gehen, wobei sie es besonders auf die Mitmenschen abgesehen haben, die sich zu konzentrieren versuchen. Die Bengel glotzen ungefragt auf Laptop-Bildschirme und stellen freche Fragen. Sie müssen das keineswegs schlucken. Es nützt zwar nichts, die Knirpse anzuschnauzen, doch Sie können sich vertrauensvoll an die Erziehungsberechtigten wenden, welche diese Bratzen üblicherweise begleiten. Von ihnen dürfen sie mehr Kontrolle einfordern. Die so Getadelten werden Ihnen natürlich auch nicht gerade um den Hals fallen. Aber damit sollten Sie leben können, denn Sie haben im ganzen Waggon Dutzende neuer Freunde gewonnen, die von Ihrem heroischen Auftreten als Robin Hood der Ruhesuchenden mitprofitieren. Da lohnt es sich also durchaus, ein bisschen den Kinderschreck zu spielen.

Hypnophobie

Ich ekle mich vor Menschen, die im Zug schlafen und mir gegenüber sitzen. Was kann ich tun? Saskia P., Biel

Seit der Mensch dazu übergegangen ist, nicht mehr dort zu wohnen, wo er auch arbeitet, muss er zur Unzeit aus den Federn und schnarcht dann eben im Zug noch ein Weilchen weiter. Nur für Menschen, welche ebenfalls pendeln, ist der Anblick von öffentlich schlafenden Artgenossen einigermassen normal. Alle anderen zucken innerlich zusammen, wenn jemand weggetreten umherhockt. Und oft ist es ja tatsächlich kein schöner Anblick: Die meisten Bahnschläfer sitzen wie halbleere Kartoffelsäcke da und lassen den Kopf zur Seite knicken; manchmal läuft etwas Speichel aus dem halb geöffneten Mund und bildet einen feinen Kontraststreifen auf dem Kragen der Jacke. Seltsam auch jene, die sich in Embryostellung quer auf zwei Sitzplätzen zusammenrollen und so ihre Nacht in den Morgen hinein verlängern. Verboten ist es allerdings nicht, im Zug zu schlafen. Und Lärm macht es auch nicht, aus-ser jemand hat eine schwere Dysfunktion der Atemwege. Vielleicht ist das «Powernapping» zwischen einem halben Dutzend S-Bahnhaltestellen sogar gesund.Sie fragen mich, was Sie gegen Ihre Aversion tun können? Eine gute Frage. Vielleicht schlafen Sie einfach auch? Sie könnten den Schläfern ein geschältes Rüebli in den Mund stecken. Experimentieren Sie! Auch gut: Springen Sie mit viel Geschrei auf und tun Sie so, als wurden Sie eben von einem Insekt gestochen. Und schon ist der Schlafwagen wieder hellwach. Jeden Morgen können Sie das allerdings nicht tun, sonst werfen die anderen Pendler Sie irgendwann aus dem Fenster.

Notfalls ankuscheln

Wenn der Fensterplatz belegt ist, ich mich aber auf den Gangplatz setzen möchte, macht die Person ihre Beine oft so breit, dass man den Platz kaum einnehmen kann. Sich an die Person zu schmiegen ist selten appetitlich. Was nun? Michael K., Spiegel b. Bern

Lieber Michael, diese Frage haben wir vor zwei Jahren in der allerersten Stilkolumne von «via» schon einmal besprochen. Es ist die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage unserer Leser. Weil aber das Heft vom Sommer 2007 auch im hintersten Winkel des Bahnnetzes nicht mehr in den Abteilen hängen dürfte, kommen wir gerne auf das Problem zurück.Sie müssen wohl etwas mehr von sich geben als das abgelutschte «’sch no frei?». Gegen diese Tausendfach-Floskel sind viele Menschen heute offenbar immun, sie hören die Frage gar nicht mehr. Im Grunde ist sie auch kreuzfalsch gestellt, denn ob ein Platz frei oder besetzt ist, erkennt man bekanntlich daran, ob dort jemand sitzt oder nicht. Korrekt müsste man also fragen Sitzt hier schon jemand? Oder Darf ich mich zu Ihnen setzen? Auch sehr chic Würde es Sie stören, wenn ich mich auf diesen Platz zu Ihnen setze? Es kostet Sie ja nichts, ein paar sauber ausformulierte Worte auszusprechen! Ich bin mir sicher, dass sich der Rüpel, der so lässig auf zwei Sitzen herumfläzt, vor Schreck sofort ganz schmal macht. Übrigens: Nach der Verfügbarkeit eines Sitzplatzes zu fragen tut man nur im Bahn-Fernverkehr. Im Tram, im Bus oder in der S-Bahn darf man sich ganz ungefragt hinsetzen und notfalls auch mit sanfter Gewalt gegen wildfremde Zeitgenossen ankuscheln.

Schniefbruder

Stellen Sie sich vor, ein wildfremder Fahrgast im gleichen Abteil zieht den Naseninhalt ständig hoch, anstatt sich zu schneuzen. Ich hätte ihm eigentlich gerne ein Taschentuch gegeben, aber_... Karin S., Luzern

..._aber was? Warum haben Sie ihm denn kein Schneuztuch gegeben? Es hätte ihm, Ihnen selbst und allen anderen Mitreisenden geholfen! Eine solch freundliche Handreichung darf man ohne weitere Hintergedanken leisten. Der Schniefbruder gegenüber kann ja, falls es ihm wirklich nicht ums Reinigen seiner Atemwege geht, auch dankend ablehnen. Wahrscheinlicher ist aber, dass er ihr Angebot freudig angenommen und damit die unangenehme Situation im wahrsten Sinne aus der Welt gepustet hätte. Aber eben: Sie waren unsicher, ob der mutmasslich Erkältete gegenüber ihren Wink mit dem Zaunpfahl als Frechheit empfunden hätte. Wer in Gesellschaft anderer reist, der darf sich ganz entspannt mit den übrigen Anwesenden auseinandersetzen und gegebenenfalls auch mit ihnen kommunizieren. Das ist ja das Schöne am öffentlichen Verkehr: Man lernt mühelos andere Menschen kennen, und wenn es nur für eine Minute ist. Nutzen Sie diese kleinen Momente der Menschlichkeit intensiver, indem Sie offensiver kommunizieren! Ein Lächeln oder ein freundliches Wort öffnet Türen und Herzen. «Ich war letzte Woche auch schlimm erkältet», hätten Sie ihm sagen und das Paket mit den Papiertaschentüchern hinhalten können. Kein noch so gefühlskalter Mensch würde eine solche Freundlichkeit abschlagen. Ausser, wenn Sie ihm ein bereits benutztes Stofftaschentuch anbieten – aber das wollen wir nun mal nicht hoffen!

Der Vorhang fällt

Ich ziehe bei der Zugfahrt gerne das Rollo vor dem Fenster, weil der Bildschirm meines Laptops dann einen besseren Kontrast anzeigt. Muss ich dabei auf die Wünsche anderer Mitreisender Rücksicht nehmen? Timm D., Basel

Es ist leider tatsächlich nicht jedem vergönnt, während einer Bahnfahrt einfach nur aus dem Fenster zu schauen und geniessen zu dürfen. Schliesslich ist Zeit heute bares Geld, und wo hat man denn noch ungestört so viel Zeit wie im Zug? Arbeiten Sie also, was das Zeug hält! Wenn Sie sich zuerst in ein noch leeres Abteil gesetzt haben und das Rollo gezogen haben, so ist dies von den Mitreisenden zu akzeptieren, die sich später dazu setzen. Was hingegen nicht geht: wenn Sie sich zu jemandem dazusetzen und ihm, ohne zu fragen, den Vorhang vor der Nase ziehen. Dies muss der andere nicht akzeptieren. Er darf gemäss den Gesetzen des gesunden Menschenverstands fordern, dass Sie Ihre unangekündigte Aktion rückgängig machen.

Statt nun aber wie Kinder das Rollo rauf und runter zu ziehen und Gehässigkeiten auszutauschen, soll man sich mit freundlichen Worten verständigen. Fragen Sie erst einmal, ob der andere unbedingt aus dem Fenster schauen will. Vielleicht reicht es, das Rollo auf halbe Fensterhöhe zu ziehen? Haben Sie geprüft, ob Ihr Rechner all seine Systemreserven bezüglich Bildschirmhelligkeit ausgeschöpft hat? Auch eine gute Lösung: tauschen Sie die Sitzplätze mit dem Gegenüber. Denn es passiert ja höchst selten, dass die Sonne spontan ihre Position am Firmament wechselt. Und wenn das dann doch einmal geschieht, sollten sogar Sie hinschauen.

Jung gegen alt

Immer wieder stelle ich (19) fest, dass die Leute der älteren Generation die Jungen beschimpfen. Sie seien laut, unordentlich und unhöflich im Zug. Aber genau dies sind sie ja selbst, sie besetzen unnötig Platz oder drängeln sich vor! Stefan B., Altdorf

Der Konflikt der Generationen ist ein Dauer-thema im Bahnverkehr. Kein Wunder, denn hier kommen sich Alt und Jung so nah wie sonst nirgends im Leben. Sie sind mit den Eigenheiten des anderen schonungslos konfrontiert. Die Alten empfinden die Jungen als rüpelhaft und ungebildet, während umgekehrt mangelnde Toleranz moniert wird. Ich werde mich weder für die eine noch für die andere Fraktion in Szene setzen, sondern ein paar vermittelnde Grundwerte einstreuen. Die Jüngeren sind gut beraten, ihre Formen im Kontakt mit älteren Menschen etwas zu pflegen – vielleicht hilft es, wenn man sich vorstellt, dass die Person, die einen ärgert, der eigene Opa oder die eigene Oma wäre. Man möge sein Telefon auf lautlos stellen oder den MP3-Player nur so laut einsetzen, dass andere Menschen nicht vom nervtötenden «mmttss, mmttss, mmttss» betroffen sind. Das wäre das Mindeste – weiteres nicht ausgeschlossen. Und die Älteren mögen ihre albernen Generations-Phobien ablegen, wenn sie sich das Vergnügen gönnen, öffentlich zu verkehren! Jüngere Menschen trachten einem nicht zwingend nach Leib und Leben, weil sie ein bisschen speziell angezogen sind. Noch sind sie in jedem Fall dumme Trottel, die es fernzuhalten gilt, nur weil sie Kopfhörer auf dem Kopf haben. Wie würde man den eigenen Enkel ansprechen? Eben.

Anstandspause

Muss ich mein Mobiltelefongespräch unterbrechen, wenn der Kondukteur kommt und mein Billett sehen will? Walti W., Zürich

Ich bitte Sie, lieber Walti – ist das eine Frage oder nur eine Provokation, um mich zu testen? Ganz selbstverständlich unterbrechen Sie Ihr Gespräch, was denn sonst! Der uniformierte Mann, der an ihren Sitzplatz herangetreten ist, hat sich beim Betreten des Waggons immerhin die Mühe gemacht, die anwesenden Reisenden zu begrüssen, und in aller Regel bedankt er sich auch bei jedem Einzelnen, dessen Billett er geprüft oder entwertet hat. Er ist höflich und hält sich an die Formen, und deswegen sollten Sie es auch.Nicht nur der Respekt vor dem Dienst tuenden Menschen, sondern auch der Rang des Kondukteurs gebietet es, Ihr Handygeplauder für den kurzen Moment der Billettkontrolle sein zu lassen: Der Chef im Zug ist für die Dauer Ihrer Reise Ihr Vorgesetzter. Er hat die Kontrolle, in guten wie in schlechten Momenten. Und es ist nur anständig, wenn Sie Ihre Wertschätzung gegenüber dieser Aufgabe anzeigen, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit für die paar Sekunden auf ihn richten. Sie hören ja im Büro auch mit dem Nasenbohren auf, wenn der Chef reinkommt, hoffe ich Nach der Kontrolle können Sie Ihre drahtlose Konversation in beliebiger Länge wieder aufnehmen. Sie müssen die Verbindung in der Zwischenzeit auch nicht zwingend kappen, sondern können es Ihrem Gesprächspartner sicherlich zumuten, fünf Sekunden stumm zu warten, während Sie den Kondukteur begrüssen und Ihr Ticket vorweisen. Dies gilt nicht nur für die ordentliche Kontrolle auf den grossen Linien, sondern auch bei unverhofften Stichproben im urbanen Nahverkehr.

Verkehrte Welt

Warum sind eigentlich die Sitz-plätze in Fahrtrichtung («fürschi fahre») immer zuerst besetzt? Benedikt S., Zurich

Es ist eine Art von archaischem Reflex, der die Menschen zuerst die Sitzplätze in Fahrtrichtung einnehmen lässt – einen pro Abteil, versteht sich, und meistens zuerst den am Fenster. Erst danach füllen sich die anderen Plätze. Mit logischen Argumenten lässt sich dies nicht erklären. Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass man besser mit dem Rücken zur Fahrrichtung fährt, denn wenn so eine Zugkomposition einmal aus den Schienen springt oder auf ein Hindernis auffährt, wird man nicht nach vorne katapultiert, sondern «nur» in den Sessel gedrückt. Es muss eine andere Erklärung für dieses in allen Ländern und Kulturkreisen übliche Reiseverhalten geben. Und diese könnte evolutionsgeschichtlich sein bzw. in der frühen Rezeption von Mobilität liegen. Unsere Vorväter sassen einst mit der Nase nach vorne auf dem Pferd. Und ein Kleinkind lernt, sein Dreirad nach vorne hin zu bewegen, so wie später das Trottinett oder das Automobil. Also strebt der Mensch später im Leben auch nach vorne, selbst wenn man mit der aktiven Fahrtätigkeit gar nichts mehr zu tun hat. Ich empfehle übrigens grundsätzlich den rückwärts gewandten Platz am Gang. Erstens ist der meistens noch frei, zweitens sitzt man zum Gang hin bei Vollbesetzung des Abteils weniger beengt und drittens ist es wunderbar, die Welt draussen «in verkehrter Richtung» an sich vorbeiziehen zu sehen. Die Welt gleitet von einem weg, und das entspannt ganz eindeutig stärker, als wenn alles im Schnellzugtempo auf einen zuschiesst. Probieren Sie es aus!